Frankfurt: Johnnys letzter Auftritt auf großer Bühne

Schon zu Beginn der Saison hatte ich angekündigt, dass 2019 Don Johnsons letztes Jahr im Sport sein sollte. Eigentlich hatte ich natürlich gehofft, dass Madeleine Winter-Schulze bei seiner Verabschiedung dabei sein könnte, aber sie kuriert zu Hause ihren Beinbruch aus und konnte nur via Internet zuschauen. Eine Zeremonie mit Absatteln kam für mich ohne sie nicht in Frage – trotzdem sollte Frankfurt sein letztes Turnier werden.

Und was für ein Turnier es geworden ist! Nicht nur, dass Johnny uns alle mit einer sehr ehrgeizigen Leistung im Grand Prix überrascht hat – das ganze Team hatte eigentlich ein anderes Paar als Sieger dieser Prüfung auf dem Zettel stehen. Um so mehr haben wir uns gefreut, dass uns diese Ehre zuteil wurde. Der ganz große Gänsehautmoment kam dann aber, als sich fünftausend Menschen in der Festhalle schon während unserer letzten Mittellinie von ihren Plätzen erhoben und Johnny mit stehenden Ovationen in den (Un)Ruhestand entlassen haben. Eine schönere Kulisse hätte es für unseren letzten Wettkampf nicht geben können!

Wie es jetzt weitergehen wird … das muss uns Johnny sagen. Ich werde ihn auf jeden Fall zu Hause weiter reiten, denn er ist ja top fit und hat Spaß an der Arbeit. Gleichzeitig werden wir seine Paddock- und Weidezeiten allmählich verlängern und dann sehen, wie viel Beschäftigung er noch haben möchte. Ob er je ein gemütlicher Rentner werden wird? Schaumermal …

Schreck und Sieg in Salzburg

Schön war’s in der Mozartstadt, die beim Amadeus Horse Indoors auch ein kleines, aber sehr feines Programm für Dressurfreunde im Angebot hatte.

In der Special-Tour hatte ich nach langer Pause Quintus mit dabei, der mich bei seinem ersten internationalen Grand-Prix-Start nicht enttäuscht hat, obwohl er wirklich sehr unerfahren ist. Neben dem Sieg im Grand Prix konnte er auch seinen ersten Special mit einem Treppchenplatz beenden und wurde Dritter. Dafür ging der Sieg in dieser Prüfung an Victoria Mac-Theurer und Rockabilly, und natürlich ist es auch eine Freude, dass mein Training solche Früchte trägt.

In der Weltcup-Tour hat mich Emilio zweimal zum Sieg getragen; in der Kür konnte sich Vici Max-Theurer Platz drei sichern, diesmal mit Benaglio — eine runde Sache, das!

Dies alles kann ich aber nur so locker schreiben, weil feststeht, dass “Mado” Winter-Schulze — Mäzenin, treue Seele und Freundin par excellence — in Salzburg Glück im Unglück hatte. Sie wurde von Quintus beim Einreiten zur Siegerehrung so unglücklich zu Boden gestoßen, dass sie einen Oberschenkelhalsbruch erlitt. Nach sofortiger Operation kam auch schnell das Aufatmen: Alles ist komplikationslos verlaufen, sie hat die OP super verkraftet, und wir hoffen alle, dass sie schnell wieder auf den Beinen sein wird.

Mit fest gedrückten Daumen wünsche ich einen schönen Zweiten Advent!

 

Stockholm: Zwei Seelen …

Es ist ein toller Wettkampf, den Patrik Kittel vor zwei Jahren in Stockholm ins Leben gerufen hat, und auch diesmal habe ich mich besonders auf diesen Start (und auf die coolen Fotos) gefreut. Und ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, dass ich nicht nach Stockholm gefahren bin, um zu gewinnen. Das hat zwar im Grand Prix geklappt, aber in der Kür sollte es um Haaresbreite nicht sein. Weihegold hat eine super Prüfung gezeigt, mit der wir nur ganz knapp unter den 90% geblieben sind — aber diesmal waren die Dänin Cathrine Dufour und ihr Cassidy noch etwas näher an der magischen Marke. Und da kommen die zwei Seelen ins Spiel: Ich liebe das Gewinnen, aber ich liebe auch unseren Sport zu sehr, um nicht zu erkennen, wie großartig es für das Publikum ist, wenn es spannend bleibt. Und das war es in Stockholm auf alle Fälle. Gratulation an die Gewinnerin — und danke auch diesmal an die Organisatoren. Es hat Spaß gemacht!

(Fotos: Roland Thunholm/SIHS)

 

Dressurkrimi(s) in Stuttgart

Was für ein spannendes Wochenende in Stuttgart!

Beim “Stuttgart German Masters” galt es, mit Emilio meinen Titel aus dem Vorjahr zu verteidigen und mit Weihe in der Weltcup-Tour anzutreten. Und in beiden Touren gab es Überraschungen. Nachdem Weihe und ich den Grand Prix der W-Tour gewonnen hatten, passierten uns in der Kür zwei Fehler — die zwar schnell korrigiert waren, aber den Sieg kosteten. Der ging an Jessica von Bredow-Werndl, die mit Dalera absolut fehlerlos blieb. Und manchmal ist es in der Dressur dann doch ein bisschen wie im Springen 🙂

In der Master-Tour war ich noch ein bisschen zu beseelt von Emilios fabelhafter Kür in Lyon. Dass durch meine Unkonzentriertheit Fehler passierten, kann ich ihm nicht übel nehmen — um so schöner, dass meine Schülerin Lisa Müller und ihr Stand by Me nicht nur ihr persönliches Bestergebnis erzielten, sondern den Grand Prix gewannen. Im Special waren Emilio und ich dann aber wieder voll konzentriert bei der Sache und gewannen den “Master”-Titel — für uns beide gemeinsam übrigens das vierte Mal, für mich das insgesamt sechzehnte Mal.

Danke an Stefan Lafrentz für die Fotos!